Ronja Räubertochter


WESTERWALD, 11. September 2001

Abenteuer zweier Märchen-Freunde

Alpenrod: „Ronja Räubertochter“ war Auftakt des Figurentheater-Festivals

Mit einer gefühlvollen Bühnenversion des Lindgren-Buches „Ronja Räubertochter“ startete das 4. Figurentheater-Festival im Theaterhaus AIpenrod. Unterstützt werden die Puppentage vom Kultursommer Rheinland-Pfalz.

• Von Maja Wagener

ALPENROD. Ein Ei, zwei Äpfel, drei Menschen und zwei Handvoll Figuren brauchte das Marotte Figurentheater aus Karlsruhe, um im Theaterhaus Alpenrod das Gastspiel „Ronja Räubertochter“ zu einem poetischen, witzigen, unvergleichlichen Erlebnis zu machen.

Der indirekt beleuchtete, kleine Theaterraum Petra Schuffs, der so voller Atmosphäre steckt, war der ideale Ort für das romantisch-raue Märchen um die Räubertochter Ronja und ihren Wunschbruder Birk. Ausdrucksstarke Handpuppen, zwei Darsteller, die Realität und Figurentheater kunstvoll verwoben, ein ideenreicher Geräuschemann und eine umbaufreundliche Kulisse aus kahlen, weißen Ästen verbanden Erdnähe mit der luftigen Transparenz von Kunst. Daneben sprudelte herber Witz und kindlicher Charme, der die kleinen und großen Zuschauer in die Geschichtehineinsog.

An originellen Einfällen, für die Bühne schwierige Szenen aus dem Buch von Astrid Lindgren auf eindrucksvolle Weise plausibel darzustellen, mangelte es Herrnine (Claudia Olma) und Hermann (Thomas Hänsel) nicht. Da wurden ein runder und ein angebissener Apfel zu Ronja und ihrem abgemagerten, da im Winter hungernden Birk. Oder ein hart gekochtes Ei zu dem verschmutzten, verlausten Freund, dem nach einem gründlichen Bad Dreck und Läuse ziepend abgezogen werden. Eine Zahnbürste, mit der Werner Lapp die Saite der Gitarre streichelte, klang wie das Unbehagen selbst.

Voller Symbolik, Poesie und Liebe zum Detail agierten die drei Künstler aus Karlsruhe, ein bisschen verdreht, ein bisschen verrückt, doch immer sehr nah am Gefühl. Auch am Gefühl der Kinder, die der wunderbaren Vorstellung konzentriert folgten, und die Theaterleute nach großem Applaus ungern entließen.



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