Kasper baut ein Haus


BNN Freitag, 26.07.2013

Baguette-Boden statt Parkettboden

Vergnügliches Durcheinander: “Kasper baut ein Haus” hatte im Figurentheater marotte Premiere

“Puppenspielkunst ist nichts weiter als Schauspielkunst, nur noch etwas mehr”, so kann man es bei Hartmut Lorenz finden, dessen Stück “Kasper baut ein Haus” jetzt im Figurentheater marotte in einer Inszenierung von Friederike Krahl Premiere feierte. Und Lorenz, wie sein Vater Felix ein bekannter Puppenspieler, hat recht. Denn was Puppenspieler Carsten Dittrich leistete, war schon Einiges: Insgesamt vier Rollen musste der Künstler zum Leben erwecken, bis zu drei davon so gut wie gleichzeitig. Aber wenn Kasper ein Haus baut, dann kann es ja auch nicht so ablaufen, wie bei jedem beliebigen anderen Menschen. Da ist zum Beispiel Manni (Dittrich selbst), Bauingenieur, Maurer und Universalhandwerker in einer Person, der eigentlich für einen reibungslosen Hausbau sorgen soll. Aber er hat die Rechnung ohne Kasper gemacht. Der bringt nämlich geme etwas Unordnung in die Dinge und jede Menge Fantasie in Mannis Welt. Während Manni für Schutzbrille, Helm, Schutzhandschuhe und überhaupt Sicherheit ein Faible hat, gerät dem Kasper die Welt schon mal ganz nach seinem Eigensinn. Dann leuchten Sonne und Gras in anderen Farben und statt eines Parkettbodens gibt’s einen Baguette-Boden.

Wären das nicht bereits genug Mittel für ein heiteres Stück, so hat sich in Mannis Handwerkskasten auch noch ausgerechnet der Teufel versteckt, der dem Kasper eins auswischen will. So entsteht ein intelligentes und witziges Hin-und-her zwischen dem dialektisch gewitzten Kasper und dem miesepetrigen Teufel. Der holt später noch den Tod zu Hilfe, doch der Sensenmann mag es gar nicht, wenn man ihm in seiner To-Do-Liste rumfummeln will. Ansonsten ist er aber ein netter Kerl namens Achim und lispelt ein wenig.

Mit großer Könnerschaft erweckt Dittrich die Figuren zum Leben und präsentiert ein Stück mit einem oft hintergründigen Witz, der auch für Erwachsene sehenswert ist. Die liebevolle Ausstattung der Bühne und die Gestaltung der Puppen tun ihr Übriges, Wie denn Kasper am Schluss noch zu seinem Haus kommt, bzw. ob er denn überhaupt eins bekommt, und welche Seiten der Teufel noch so an sich hat, das wird hier nicht verraten. Wer es wissen möchte, dem sei dieses Stück empfohlen – es wird Sie überraschen.
Jens Wehn