Django - Die Rückkehr


Saarbrücker Zeitung, 23.02.2015

Bei Djangos Rückkehr schießen die Puppen

Marotte Figurentheater begeistert mit Ironie und Spielfreude

Sie huldlgten dem Italo-Western und gaben ihm einen fulminant aufspielenden knorrigen Helden. Was Karlsruher Puppenspieler aus Mexiko zu erzählen hatten, war treffsicher und urkomisch zugleich.

Saarbrücken. Am Galgen knarzt eine Leiche. Der Präriewind säuselt. Palavernde Mexikaner schießen scharf daneben. Und Django fällt mit der Saloontür ins Haus. Mit der so ungestümen wie lustvoll albernen Westernparodie “Django – Die Rückkehr” eröffnete das bekannte marotte Figurentheater aus Karlsruhe die Saison im voll besetzten Kleinen Theater im Rathaus. “Helden & Schurken” ist diesmal das Spielzeit-Motto. Der gute Django vereint locker beides. Wobei er hier aber nicht, wie in Sergio Corbuccis Kult-Italo-Western, die gemeuchelte Ehefrau rächt, sondern brav Mama und Papa das Spelunken-Einkommen sichern will.

Aus einem übergroßen Sarg auf der Bühne lassen ein trunksüchtiger Pfarrer (Carsten Dittrich), ein verklemmter Heizer (Thomas Hänsel) und ein rabaukiges Freudenmädchen (Claudia Olma) die Prärie leben, komplett mit Holzmond und -kaktus und kullernden Schädeln, weil der alte Indianer im Faltrollstuhl, eine wuchtige, großmäulige Handpuppe mit Dolch im Rücken, seines Blutsbruders Django gedenken möchte. Dann kommt es, wie es kommen muss. Django legt sich mit dem skrupellosen Sheriff an, klaut einen Klepper von des miesen geriatrischen Gouverneurs Weide, verguckt sich in die schwäbelnde, bibelsichere Alice und schießt aus Wut Dollarscheine zu Origami. Was für ein vielschichtiges, von ironischen Interaktionen gebrochenes Spiel mit operettenhaften Wendungen sich die marotte da liefert. Zu wildem Getröte schlagen die Schüsse ein.

Der Sheriff, Django und eine Pistolenkugel vollführen ein mordlüsternes Zeitlupenballett, Geier kabbeln sich mit Ganoven, das Geierisch geschickt auf hochgehaltenen Täfelchen transkribiert, und Papierzüge holpern über unvorsichtig lauschende Indianer. Knorrig, roh und ausdrucksstark sind die im schießwütigen Gefecht befindlichen Stabmarionetten, eine wilde Truppe mit überbordender Spiellust und gesummten “Wand´in´ Star” von den drei Schauspielern ihrem Schicksal entgegengeführt, die dabei immer wieder zur kruden indianischen Mär vom verblichenen Blutsbruder schwanken. Freudiges Gepruste im Kleinen Theater im Rathaus, in diesem fulminanten Erwachsenenstück werden Rache, Ehre und Blutdurst zur Lachnummer, die Holztypen tröten drauf.
Ruth Rousselange