Die Weihnachtsgeschichte


HOCKENHEIMER TAGESZEITUNG, 27.12.2007

Die letzten Geheimnisse gelüftet

Pupmwerk: Marotte-Figurentheater erzählt Weihnachtsgeschichte kindgerecht und modern

Es ist die wohl am häufigsten erzählte Geschichte der Welt. Millionen Mal wurde ihr bereits gelauscht und jedes Jahr zu Weihnachten wird sie erneut aus den Bücherregalen hervorgekramt und vorgetragen: die Weihnachtsgeschichte. Doch obwohl sie inzwischen jeder kennt: langweilig wird sie nie. Stattdessen erfreut sie sich selbst 2000 Jahre später einer unermüdlichen Zuhörerschaft, wie beispielsweise im Pumpwerk. Denn dort stimmte das Marotte-Figurentheater aus Karlsruhe mit einer Kinderdarbietung der Weihnachtsgeschichte auf die besinnlichen Festtage ein.

Doch was Friederike Krahl alias Putzfrau Ida, die unter lautem Staubsaugergeräusch die Bühne betrat, mit Christi Geburt zu tun haben soll, war für die zahlreichen Kinder zunächst ein Rätsel.

Ein großes schweres Geschenk, das ihr Arbeitgeber für sie zurechtgelegt hatte, enthielt die Lösung. Denn darin fand sich ein Buch, das von nun an zur lebendigen Kulisse des Spieltischs wurde und wie von selbst erzählte: „In jenem Tag erließ Kaiser Augustus den Befehl, alle Bewohner des Reiches schätzen zu lassen. So machte sich auch Josef aus Nazareth auf nach Bethlehem – zusammen mit „Maria, seinem vertrauten Weibe, das schwanger war.“

Von da an war das Geheimnis gelüftet, denn spätestens an der Stelle kam die Geschichte selbst dem kleinsten Pumpwerkbesucher irgendwie bekannt vor. „Ich weiß auch schon, wie das Baby heißt“, machte sich ein kleiner Junge in der ersten Reihe bemerkbar. Und seine vage Vermutung wurde bestätigt.
Mit jeder Seite, die Puppenspielerin Krahl im dicken Buch umschlug, nahm die Geschichte ihren Lauf und der Spieltisch wurde mit mehr und mehr Figuren bestückt: Die Wachen am Stadttor, die Wirte, die kein Zimmer für das mittellos reisende Paar hatten und schließlich die Tiere im Stall, den Maria und Josef als Unterschlupf gefunden hatten.

Maus bringt neuen Wind
Doch ganz strikt an das Lukasevangelium hält sich das Figurentheater nicht. Stattdessen zeigt sich Maria den Wachen gegenüber als emanzipierte Frau, der Esel reagiert auf Josef außerordentlich bockig und auch von einer kleinen „ganz besonderen“ Maus im Stall ist in der Bibel nicht die Rede. Doch durch diese modernen Elemente kam neuer Wind in die traditionelle Weihnachtsgeschichte, die dadurch noch lebendiger wurde.

Und schließlich war es so weit: Jesus, in Heu und Stroh gebettet, war geboren. Ein Wunder, das der Engel des Herrn nahe lagernden Hirten verkündete: „Euch ist heute der Heiland geboren.“ Selbst nach Afrika drang die frohe Botschaft durch, denn der Stern über Bethlehem leuchtete so stark, dass sich auch die heiligen drei Könige Kaspar, Melchior und Balthasar mit ihren Schätzen auf den Weg zum Bethlehemstall machten.

„Und das war vor 2000 Jahren. Das war die allererste Weihnacht und wird bis heute gefeiert“, so Puppenspielerin Krahl abschließend. Ihr war es durch einfühlsame Erzählweise und den Sprüngen zwischen Vergangenheit und Neuzeit – zwischen Christi Geburt und Putzfrau Ida, die gebannt der Geschichte lauscht – regelrecht gelungen, ihre kleinen und großen Zuschauer mit der Geschichte zu fesseln. Durch wechselnde Stimmlagen hauchte die Puppenspielerin jeder einzelnen Tischfigur so viel Leben ein, dass diese auf einmal gar nicht mehr starr aussahen, sondern zum lebendigen Teil des Geschehens wurden. Ebenso wie die Erzählerin selbst, die zwar die Puppen. die zahlreichen Lichteffekte und die Geschichte steuerte, aber dennoch „eins“ mit ihrem Spieltisch war, was die Darbietung der Weihnachtsgeschichte zu einem unvergesslichen Erlebnis machte.

Vanessa Schäfer



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