Ritter Parzival


Die Rheinpfalz, 12.06.2007

Die Reifeprüfung

Effektvolle „Parsifal“ – Premiere beim marotte Figurentheater

Ein Ritter hat ein eisernes Herz, ein Ritter fragt nicht, ein Ritter weint nicht. Diese „Weisheiten“ seines Lehrmeisters verinnerlicht der junge Parsifal so sehr, dass er beinahe sein offenes, mitfühlendes Herz vergisst. Die Sage um den Ritter Parsifal wird in der Neuproduktion des Figurentheaters marotte thematisiert. Unter der Regie von Lisa Augustinowski lassen Claudia Olma und Carsten Dittrich die Erzählung um Parsifal und den Gral lebendig werden. Am Samstag war Premiere in Karlsruhe.

Dieses Stück, das auch als Ergänzung zum Schulstoff der 3. und 4. Klassen angeboten wird, bietet auch dem reiferen Achtjährigen die Chance, etwas über die deutschen Sagenwelt zu erfahren. Wer kennt schon, außer als Umsetzung in der gleichnamigen Oper Richard Wagners die Geschichte des Ritters Parsifal, der von seiner Mutter behütet, fern jeder Zivilisation, im Wald aufwächst?

Die Mutter möchte ihn vor dem Leid der Welt bewahren und auch davor, wie sein Vater, als Ritter und Held zu sterben. Aber seinem Schicksal kann Parsifal nicht entzogen werden und so verlässt er seine Mutter, um ein Ritter der Tafelrunde König Arthus zu werden. Mit seinem treuen Diener besteht er wilde Abenteuer, besiegt mit Glück im Kampf den Roten Ritter und zerstreut die Schwermut der Jungfer Cunnaware. Nach der Ausbildung wird er von König Arthus zum Ritter geschlagen und schließlich auf die Suche nach dem heiligen Gral geschickt. Doch überheblich und hartherzig geworden, verspielt er zunächst leichtsinnig seine eigentliche Bestimmung, Gralsritter zu werden und den verfluchten König Amfortas von seinem Leiden zu befreien. Erst nachdem er reif geworden, auch zu Nächstenliebe fähig ist, schafft er es, Amfortas zu erlösen und zum Hüter des Grals werden.

Die „Marotten“ haben den schwierigen mittelalterlichen Stoff effektvoll und aktionsreich umgesetzt. Claudia Olma und Carsten Dittrich gehen spielfreudig und mit fast artistischen Szenen auf in dem Reigen um Rittertum, Ehre, Mut, Verzweiflung und Sieg und verleihen dabei ihren Figuren charakteristische Züge. In einem parallelen Handlungsstrang wird auf Nöte des mittelalterlichen Lebens wie Schmutz und Gestank, Seuchen und Tod eingegangen. Fast mystisch erscheinen die Schlussszenen in der Gralsburg. Der Gral, eine Art Wunderkugel, entfaltet in dem dunklen Raum seine Wirkung, wenn er bei den Berührungen durch den noch unreifen Parsifal Funken sprüht. Die marotte hat mit dieser Produktion bewiesen, wie spannend ein mittelalterlicher Stoff sein kann. Leider ist für den Unkundigen der Sage die rund einstündige Interpretation etwas zu kurz, um alle Zusammenhänge zu verstehen. Aber die wichtigste Botschaft des Stückes, dass bei allem Streben ohne Mitgefühl und Nächstenliebe es nur zu Blechschäden kommen kann, ist aktueller denn je. Die Lust auf mehr Mittelalter im Puppentheater ist geweckt. (jua)



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