Der kleine Weihnachtsmann


DIE RHEINPFALZ, 21.11.2011

Einfache Mittel, großer Zauber

„Der kleine Weihnachtsmann” in der „marotte”

Rechtzeitig vor Weihnachten bringt die „marotte“ ein Kinderstück auf die kleine, aber feine Figurentheaterbühne in Karlsruhe, das auch Auge, Ohr und Herz der „Großen“ berührt.

Es ist die Geschichte vom kleinen Weihnachtsmann, der in den Büchern von Anu Stohner und Henrike Wilson so manche Abenteuer erlebt. In der „marotte“ wird ““Der kleine Weihnachtsmann“ unter der Regie von Carsten Dittrich und mit der Ausstattung von Vera Kniss lebendig.

Obwohl er selbst gerade mal so groß ist wie eine Männerhand, der Teddybär, den er verschenken will, ihn um drei Körperlängen überragt und ein kleiner Keks in seinen winzigen Fingern wie eine Riesenpizza anmutet, so ist der kleine Weihnachtsmann in jedem Jahr der erste, der alle Geschenke liebevoll eingepackt zum Austeilen an die Kinder bereithält, Aber immer, wenn die Schar der Weihnachtsmänner auf ihren von Rentieren gezogenen Schlitten ausschwärmt, muss er, eben weil er so klein ist, zu Hause bleiben. Doch das stinkt ihm gewaltig – und deshalb zieht er eines schönen Tages alleine los. Auf seiner Reise um die Welt trifft er die Tiere, die sich ärgern, dass immer nur die Menschen beschenkt werden. Er macht sie glücklich, weil er die Gaben in seinem Sack an sie verteilt und wird dafür zum „Weihnachtsmann der Tiere“ ernannt.

Nicht nur die Kleinen werden von den altersgemäßen Aufführungen verzaubert und zu eigener Vorstellungsgabe angeregt. Vielmehr staunen auch die „Großen“ immer wieder über die kreativ-praktische Umsetzung fantastischer Ideen. Immer wieder demonstriert das Team hinter Theaterleiter Thomas Hänsel, dass man auch mit einfachen Mitteln großen Zauber vollbringen kann.

Wenn Claudia Olma zauberhaft als Wichtel die Geschichte erzählt und spielt, dann werden sogar die zappeligsten Plappermäulchen unter den Kindern ab vier Jahren mucksmäuschenstill, denn die Puppenspielerin zieht mit den Figuren und spannend beweglicher Stimme alle Gäste im kleinen Theater in ihren Bann. Wie von Zauberhand berührt verwandelt sich die alte Kommode auf der Bühne in einen nostalgischen Rahmen für das Puppenspiel.

Eine bemalte Gebäckdose genügt für die Vorstellung eines verschneiten Dorfes, die Riege der Weihnachtsmänner schneidet die Puppenspielerin als Girlande aus einem gefalteten Blatt Papier und Wahrzeichen wie der Eiffelturm, aus Pappe ausgeschnitten, drehen sich als Welt um den ebenso gebastelten nostalgischen Schlitten.

Damit auch schon die allerkleinsten Zuschauer verstehen, wie die Figuren auf die Bühne kommen, sitzt „Wichtel“ Claudia Olma in ihrer Weihnachtsmann-Gewänder-Werkstatt und „näht“ mithilfe eines Zauberspruches aus rotem Stoff den kleinen Weihnachtsmann und aus braun-geblümtem das Eichhörnchen. Und wenn sie Gewand und Maskenbart des „Oberweihnachtsmannes“ über einen Kleiderbügel hängt, spätestens dann weiß auch jedes Kind, dass man vor diesen Gestalten keine Angst haben muss. „Ist das der Papa?“ fragte ein kleiner junge bei der Premiere neugierig, als „Wichtel“ Olma zu Beginn in dieser Verkleidung auf die Bühne trat. Zur Feier der erfolgreichen ersten Aufführung gab es für alle Gäste Lebkuchen satt und jedes Kind bekam einen kleinen Schokoweihnachtsmann geschenkt.