Der Kleine König feiert Weihnachten


Die Rheinpfalz, Samstag, 10. Dezember 2011

Strohplätzchen und Schlittenspaß

Marotte Figurentheater spielt „Der kleine König feiert Weihnachten“ im Haus Catoir

Wenn ein fideler König Weihnachten feiert, dann amüsiert sich sein Publikum königlich. So jedenfalls war es am Donnerstag im Haus Catoir, wo das „Marotte Figurentheater“ sein witzig-besinnliches Stück „Der kleine König feiert Weihnachten“ aufführte.
Wie beliebt die Figur aus Sandmännchens Gute-Nacht-Geschichten ist, das bewies der proppenvolle Saal im Haus Catoir. Kinderbuchautorin Hedwig Munck hat den kleinen König in vielen Büchern, Hörspielen und Zeichentrickserien beschrieben und gezeichnet. Nur zwei Theaterbühnen erlaubte sie eine Bearbeitung – eine davon ist das Marotte-Theater aus Karlsruhe.
Figurenspieler Carsten Dittrich mischt die Textvorlage mit eigenen Ideen und agiert nah am Erleben und Fühlen der Kinder. Der muntere kleine König lernt, indem er alles selbst ausprobiert. Und natürlich kann er es kaum noch erwarten bis Weihnachten. Immerhin: Auf der Bühne sind die Nächte kurz. Kaum hat Dittrich die hübsche Tischfigur, die geradewegs Muncks Büchern entnommen scheint, schlafen gelegt, da wird es schon wieder Tag. „Ich kürz´ etwas ab“, kommentiert er lustig.
Überhaupt gefällt Dittrich durch geschicktes Spiel und beherzten Witz. Jeder Handgriff sitzt. Die Handlung wird in locker-flottem Spielfluss gezeigt, ohne gehetzt zu wirken. Das Mischen der Spielebenen ist eine weitere Stärke der Aufführung, etwa wie der große Puppenspieler seinem kleinen königlichen Befehlshaber aufs Wort gehorcht: Mit ergebenem „sehr wohl“ führt er die Anordnungen aus.
So hat er einen wahren Vollzeitjob, denn dem kleinen König gehen die Wünsche nie aus. Zum Glück ist das mit den Ideen bei Marotte genauso. Und so erlebt das begeisterte Publikum eine muntere Schlittenfahrt, bei der die Figuren von König und seinem gutmütigen Pferd Grete im Kleinformat einen weiten Schneehang hinabrodeln.
Wie kann man sich die lange Zeit bis Weihnachten noch verkürzen? Auf der Bühne werden „Gretes Superplätzchen“ gebacken, natürlich in Hufeisenform und mit Strohhalmen im Teig. Das Gelächter der kleinen und großen Zuschauer wird noch lauter, als der Figurenspieler die fertigen Plätzchen kostet und die Krümel in weitem Bogen aus seinem Mund fliegen.
Ohne es zu merken, lernen die jungen Zuschauer im Verlauf der Handlung, dass Weihnachten mehr ist als Geschenke bekommen. Was hinter dem Fest steckt, zeigt die Inszenierung unaufdringlich und einfühlsam. Wie eng die Kinder am Geschehen bleiben, offenbart sich, als sie dem Spieler gebannt in die ruhigen Szenen folgen. Sie brauchen auch keine Aufforderung, um mehrmals mitzusingen.
Irgendwann also taucht die Frage auf, warum wir eigentlich Weihnachten feiern und wer das Jesuskind ist. Die Inszenierung des „Marotte-Figurentheaters“ antwortet weder belehrend noch oberflächlich. Auf ausdrucksvolle Art verbindet sie auch hier Lachen, Gefühl und Nachdenken.
Es folgt ein bezauberndes Spiel im Spiel: Maria und Josef machen sich auf die Reise nach Bethlehem, dargestellt vom Pferd Grete und dem kleinen König. Bei der Suche nach einer Unterkunft und bei der Geburt im Stall bewährt sich wiederum die Mischung von kessem Humor und Tiefsinn. Ja, Dittrich schafft zum Abschluss eine Atmosphäre von Wärme und Geborgenheit, die von dem putzigen (Vogel)- Kind in der Krippe und seinen originellen Eltern ausstrahlt. (Sigrid Ladwig / lad)