Wo die wilden Kerle wohnen


Badische Neueste Nachrichten, 09.05.2008

Es ist schön bei Euch

Marotte zeigt „Wo die wilden Kerle wohnen“

„Maximilian! Zieh’ Deinen Schlafanzug an und komm’ jetzt endlich!“ Kollektives Aufseufzen und Augenrollen: Wer hat schon Lust auf Abendessen, Zähne putzen, ins Bett gehen und schlafen? Die kleinen Zuschauer wohl genauso wenig wie Max, die Hauptfigur des Theaterstückes “ Wo die wilden Kerle wohnen”. Die Adaption des bekannten Kinderbuches von Maurice Sendak hatte jetzt im marotte-Figurentheater Premiere.

Es ist Abend: Doch Max, statt sich den Schlafanzug anzuziehen und zum Abendessen zu kommen, trägt sein Wolfskostüm und macht Unfug. Du „wilder Kerl“ schimpft seine Mama und schickt ihn schließlich ohne Essen ins Bett. Plötzlich wächst ein Wald in seinem Zimmer, mit einem Schiff segelt Max zu dem Ort, an dem die wilden Kerle wohnen. Mit seinen Zaubertricks zähmt er die Monster mit den fürchterlichen Augen und wird von ihnen zum König gekrönt. „Es ist so schön Dei Euch“, jubelt er und tobt und lärmt nach Herzenslust mit den wilden Kerlen herum. Bis er plötzlich Heimweh und Hunger bekommt…

Mühelos gelingt es Carsten Dittrich, die Kinder mit ins Land der wilden Kerle zu nehmen. Unter der Regie von Thomas Hänsel (Ausstattung: Vera Kniss) erweckt Dittrich die wilden, aber dennoch liebenswerten Kerle, den kleinen Max, den kauzigen Vogel und den Hasen, der nie Zeit hat, mit einer Ausdrucksstärke und Hingabe zum Leben, dass das Zuschauen die reinste Freude ist. Dittrich, der das Theater „Fiesemadände“ in Oberkirch leitet, spielte schon als Kind leidenschaftlich gerne Theater und verkleidete sich – am liebsten als Hexe. Eine Kindergärtnerin riet daraufhin seinen Eltern gar, mit ihm zum Psychiater zu gehen. Zum Glück pfiffen die Eltern auf den vermeintlich pädagogisch sinnvollen Rat, bauten ihrem talentierten Sohn stattdessen ein Puppentheater, ermutigten ihn zum Spielen und brachten ihn bei der „Jungen Bühne“ Oberkirch unter.

„Wo die wilden Kerle wohnen“ ist ein zeitloses, wunderschönes und liebevoll illustriertes Buch, ein Vorlesevergnügen für Jung und Alt. Der polnische, in Brooklyn lebende Maurice Sendak, der sein 1963 veröffentlichtes Buch auch selbst mit fantasievollen Federzeichnungen versehen hatte, erhielt für die wilden Kerle 1964 die höchste amerikanische Literaturauszeichnung, die „Caldecott Medal“.

In der Karlsruher marotte wird das alles mit viel Einfallsreichtum und Lust am Erfinden dargestellt; bis sich dann vom Spielen, Toben, Lärmen und Freiheits-Genießen Max erschöpft nach der Geborgenheit seines Zuhauses sehnt, nach dem Ort, wo man ihn einfach am liebsten hat. Er verabschiedet sich von den wilden Kerlen und segelt zurück nach Hause in sein Bett. Und als er aufwacht, sind Toast und Kartoffelsuppe noch warm… Ein wunderbares Theatervergnügen.
Ute Eppinger



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