Happy McBeth!


Badische Neueste Nachrichten, 17.10.2009

Fast-Food-Farce voller Wortspiele

Sie können auch Musical: Figurentheater marotte zeigt ,,Happy McBeth”

,,Ich pfeif’ auf die Vitamine, weil ich mit Fast Food viel mehr Geld verdiene” dröhnt’s aus den aufgesperrten Puppenmäulern. Beth ist Servicekraft des Monats bei McKeys, das reicht ihm vollkommen. Karriere will er nicht machen. Aber seiner Liebsten ist der Burger-Laden ein Dorn im Auge, sie fühlt sich zu Höherem berufen und hat ehrgeizige Pläne für ihren gutmütigen Gatten.

Klamaukig zwischen Klimbim und Muppetshow geht das erste Musical in der marotte, dem profilierten Figurentheater, über die Bühne — ein Musical, das ohne Staraufgebot und viele Sänger auskommt. Grad mal drei Personen meistem hier alle Rollen, lassen zwei Stunden lang die mannshohen Puppen tanzen und singen. Der kleine Burger-Laden ist durch hohe mit knallroten Plastikplanen bezogene Stahlgerüste begrenzt, rechts blinkt das Neonschild ,,Open”. Davor steht eine mal als Theke, mal als Startreppe mit Glühbirnchen (tolle Lichteffekte während der gesamten Show!) genutzte Vorrichtung. Der Besitzer träumt vom baldigen Ruhestand samt ,,Safer Sex” am hundefreien Rentnerstrand. Sein Untergebener Beth empfängt glücklich den Mitarbeiter-Pokal und frisst mit seinem Kollegen Banko Burger um die Wette, bis sie ,,ab-brechen” mit der leeren Junior(kotz)tüte vor’m Gesicht — manchmal ging mit den Textern Carsten Dittrich und Timo Riegelsberger wohl der Gaul durch.

Ohnehin frotzeln sie über jedes Klischee, indem sie alle kräftig überzogen bedienen, und würzen die Fast-Food-Farce mit witzigen Wortspielen. Von Shakespeares Vorlage bleibt dabei natürlich nur das grobe Handlungsgerüst: Die Frau stürzt mit ihrem überkandidelten Ehrgeiz den Mann ins Unglück.

Genial beherrschen Claudia Olma, Tanja Lüttner und Carsten Dittrich ihre Puppen, hauchen ihnen durch Arm- und Beinbewegungen Leben ein, so genial, als glänzten auf einmal die Augen im leblosen Puppengesicht, dabei war’s nur die Körperhaltung. Meist hat zwar jeder seine ,,Stammpuppe”, aber manchmal müssen sie auch wechseln. Dabei singen und agieren die drei Darsteller immer nach dem Multitasking-Prinzip: sie müssen die eigenen als auch die Bewegungen der Puppen koordinieren und hantieren nebenbei noch mit allerhand Requisiten. Regisseur Jan Mixsa hat hübsche Einfälle: da wird wie auf Band kurz mal zurückgespult und neu gespielt, da lassen die Schauspieler auch mal die Puppen sinken und zanken sich kurz, wer als nächstes welche Rolle übernimmt. Musikalisch reicht die Spanne von herzergreifenden Soli, Blues bis zu fetzigen Duos oder gemeinsamen Auftritten mit viel gymnastischem Körpereinsatz.

Beth bringt den Chef um, übernimmt den Laden und das Schicksal seinen Lauf. Ist tatsächlich alles vorbestimmt, wie die singenden Burgers prophezeien? Fazit zum Schluss: ,,Das Leben ist kein Puppenspiel, das Leben ist real, denn Du hast stets die Wahl. “ Begeisterter Applaus nach dieser mit Wahnsinn und Humor gespickten Uraufführung.
Ute Bauermeister



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