Er ist wieder da


SÜDWEST Presse

Figurenspiele beginnen mit „Er ist wieder da“

Mit dem Gastspiel „Er ist wieder da“ feiern die Figurenspiele einen sehenswerten Auftakt.

Für das Ulmer Aufregerthema Nummer eins hat Adolf Hitler wenig übrig. „Zweispurig oder vierspurig?“, bellt er verächtlich von der Bühne im Stadthaus. „Alles sechsspurig!“ Da spricht der Mann, der die Autobahnen gebaut hat…

„Er ist wieder da“, nicht nur in Timur Vermes’ Bestseller, sondern auch in der Adaption des Karlsruher Marotte Figurentheaters, mit der die Baden-Württembergischen Figurenspiele eröffnet wurden. Hitler wird als Handpuppe und als „Humanette“, eine enorme Halbkörperfigur mit Riesenkopf, gespielt: einerseits als Kasperle, andererseits überlebensgroß. Nur zwei der aussagekräftigen Effekte, die das Figurentheater für einen solchen Stoff bietet. Sie unterstreichen das Groteske des Geschehens.

Das Stück fügt markante Episoden des Romans aneinander: Hitler wacht im Berlin des Jahres 2011 auf, unversehrt, in einer nach Benzin stinkenden Uniform. Ein Kioskbesitzer nimmt sich seiner an, hält ihn für einen genialen Comedian und vermittelt ihn ans Fernsehen. Die TV-Fuzzis finden ihn besser als Bruno Ganz: „Haben Sie ein richtiges Programm?“ – „Seit 1920!“

Hitler tritt in der Sendung des Komikers Ali Witzgür auf und lässt dort nichts anderes als sonst auch vom Stapel – aber das findet man jetzt des Grimme-Preises für würdig. Er hat zwar ein paar Probleme mit seiner Heimat („Die Deutschen trennen den Abfall sorgfältiger als ihre Rassen“) und nicht zuletzt mit den Neonazis, aber kommt rasch gut zurecht. Erschreckend gut.

Spiel auf mehreren Ebenen

Die ätzende Gesellschafts- und Mediensatire funktioniert auch und gerade durch die Verfremdungseffekte des Figurentheaters. Abwechslungsreich ist das Spiel auf mehreren Ebenen, es gibt skurrile Einfälle (Barbie als „Bild“Reporterin), manchmal an der Grenze zum Klamauk, aber das wird durch beklemmende und absurde Szene wett gemacht. Die puppen und schauspielerische Leistung von Carsten Dittrich und Jan Mixa ist beeindruckend, die Figuren (Matthias Hänsel) sind es sowieso.

Mit dem Festival feiert das 1. Ulmer Kasperletheater nun bis Sonntag sein 15-jähriges Bestehen. „Eine tolle Geburtstagssause“, lobte Kulturbürgermeisterin Iris Mann, selbst mit den „Muppets“ aufgewachsen, das vielfältige Programm. Man sollte also – im positiven Sinn – „die Puppen tanzen lassen“.

Dass sich dieses Programm nicht nur an Kinder, sondern auch an Erwachsene richtet, machte ja gleich die kräftig beklatschte Inszenierung von „Er ist wieder da“ deutlich. „Seid ihr alle da?“, rief Hitler kasperlehaft ins Publikum. „Ja!“. Dann: „Zicke, zacke, zicke, zacke…“ – „… Hoi, hoi, hoi!“ Und schließlich: „Sieg…“ – ja, da war tatsächlich das ein oder andere „heil“ zu hören. Böse? Gewiss, aber böse entlarvend.