Der Grüffelo


Die Rheinpfalz Dienstag, 26.06.2012

Huch, grusel, bibber und zitter

“Der Grüffelo” für Menschen ab drei Jahren neu im Karlsruher Figurentheater “marotte”

Pickepackevoll war es bei der Premiere des neuen Stücks über den Grüffelo am Mittwoch im Figurentheater “marotte” in der Karlsruher Kaiserallee. Kinder im Vorschulalter hatten sicherheitshalber Ihre Mama – wenige auch Ihren Papa – mitgebracht, denn schließlich weiß jeder kleine Wicht, dass im Wald viele Gefahren lauern.

Geht es doch in dem bekannten Kinderbuch um den Spaziergang einer kleinen Maus durch den Wald, bei dem ihr auf Schritt und Tritt Unheil begegnet: in Gestalt von Eule, Fuchs und Schlange. Sie alle umschmeicheln das Mäuslein scheinheilig und laden es zu sich nach Hause ein — um es dort verspeisen zu wollen. Da erfindet die pfiffige Maus in ihrer Not die Fantasiegestalt Grüffelo. Und droht jedem, der sie fressen will, mit dem schrecklichen Grüffelo, dessen furchterregende Hauer, riesige Tatzen und bärenstarke Kräfte selbst die olle Eule, den listigen Fuchs und die hungrige Schlange vor Furcht bibbern lassen. Denn was frisst Crüffelo am liebsten? Na: “Eule mit Zuckerguss, Fuchsspieß und Schlangenpüree.” Kein Wunder, dass die Tiere da schnell Reißaus nehmen — mit reichlich “huch, grusel, bibber und zitter”.

Die ganz reizende Bühnenadaption in der “marotte” mit den wunderschönen Tierfiguren im grünen Waldambiente und einfühlsamer Geräuschkulisse fasziniert Kinder wie Erwachsene gleichermaßen.

Figuren- und Schauspielerin Claudia Olma beherrscht ihr Metier und agiert zu Beginn der Vorstellung als menschliche Latzhosen-Mäusezahm-Figur im Kommandoton: “Kinder! Antenne ausfahren. Sehzellen scharf stellen.“ Alle Requisiten zaubert Olma aus einer Tischplatte hervor, hier klappt sie eine gelbe Blume hoch, entfaltet dort einen Baumstamm, lässt eine gemalte Ameisenarmee auf einem langen Kartonstreifen vorüberziehen und grüne Waldlandschaften wachsen. Die Regie obliegt Eva Kaufmann, die Ausstattung verantwortet Vera Kniss.

Olma leiht ihre wandelbare Stimme sämtlichen Figuren, herrlich lasst sie die Eule schwäbeln, die sich die Maus schnappt und mit ihr — Achtung: Lokalkolorit — eine “Flugstunde über die Rheinauen” macht. “Mir wird schlecht”, wehklagt dabei das Mäuslein und die olle Eule entgegnet seelenruhig: “Darfscht ruhig kotze.”

Klar, dass die Kinder das superlustig finden und sich sogar schon über ein harmloses „Hatschi” schier ausschütten vor Lachen. Doch was kommt jetzt?

“Ein Monster“, schreit ein Knirps in der vorderen Reihe aufgeregt, “Maus, pass auf.” Denn plötzlich taucht das Fantasietier Grüffelo leibhaftig auf, und oh Schreck, dessen Lieblingsschmaus heißt auch noch Butterbrot mit Maus. Die Kinder bibbern und lachen gleichzeitig. denn Olma bespielt all die originellen Figuren mit vollem Stimm- und Körpereinsatz. Aus vermeintlich bedrohlichen Augenblicken entwickelt sie im Handumdrehen ein kindgerechtes Szenario und zaubert ein Lehrstück, in dem deutlich wird, dass auch ganz Kleine mit viel Mäusefantasie ganz groß rauskommen können.

Klar, dass auch der zottelige Grüffelo angstzitternd wegläuft, als sich das Mäuslein stark macht und ihm weismacht, dass die anderen Tiere am allerliebsten Grüffelogrütze fressen. Zum Schluss klatschen Groß und Klein begeistert Beifall und lassen sich Premieren-Fingerfood schmecken: weiße Marshmallowmäuse.