Presseartikel
Käpten Knitterbart
Die Rheinpfalz, 08.07.2009
Im Tuch steckt ein Fluch
Ein neues Stück im Karlsruher Figurentheater ,,marotte”: „Käpten Knitterbart“ nach dem Buch von Cornelia Funke
Figurentheater, so wie es die ,,marotte” in Karlsruhe seit 22 Jahren macht, das ist nicht einfach Puppen- oder Kaspertheater, wie ihr es sicher kennt. Figurentheater in seiner besten Form ist ein Theaterspiel mit viel Fantasie, bei dem nicht nur Puppen, sondern alle möglichen ganz alltäglichen Dinge eingesetzt werden, um eine Geschichte zu erzählen. So hat das in dem neuen Stück der ,,marotte” auch Andreas Kilger gemacht. Er zeigt ,,Käpten Knitterbart“ nach dem Kinderbuch von Cornelia Funke als Figurentheater. Die Bühne und die witzigen Figuren-Gesichter hat Vera Kniss gemacht, die Spielleitung lag in den Händen von Claudia Olma.
Andreas Kilger ist der Rote Bill. Auf dessen Schatz sind Käpten Knitterbart und seine beide Piraten, der kahle Knut und der fiese Freddy, zwei nicht sonderlich helle Köpfe, scharf. Schimmelbrot, der ehemalige Schiffskoch vom Roten Bill, den dieser auf dem Meer ausgesetzt hat, verrät ihnen die Insel, auf der sich der Schatz befindet. Knitterbart, seine müde Bande und Schimmelbrot sind Puppen, die der Spieler aus einem alten Koffer hervorholt und mit denen er spielt, wobei er immer zu sehen ist. Der Koffer und eine alte Leiter, die auch auf der Bühne steht, können auch mal ein Schiff vorstellen. Ein paar alte Seile benutzt der Spieler, um einen Urwald zu zeigen. Und das macht er sehr schön und stimmungsvoll. Die „Stinkende Sardine“, das Boot der Piraten, ist ein alter Waschzuber. Sehr geschickt wird in diesem ausgezeichneten Figurenspiel die Perspektive verändert. Die Mannschaft des Roten Bill besteht nämlich nur aus kleinen Fingerpuppen, die auch in ihrer Sprache etwas zurückgeblieben sind. Andreas Kilger macht daraus eine witzige Slapstick-Szene, also eine wie aus einem alten Stummfilm. Sein Spiel hat ganz viele Seiten, es ist mal total schräg und witzig, dann wieder sehr poetisch, also voller Fantasie und Stimmung. Es macht großen Spaß beim Zuschauen – und es zieht euch wie magisch in die Geschichte hinein.
Ob übrigens die Piraten den Schatz des Roten Bills finden und viel Freude daran haben, will ich euch an dieser Stelle nicht verraten. Nur so viel: in einem blauen Tuch steckt ein Fluch – ein ungeheuerlicher. (rg)
