Ali Baba und die 40 Räuber


Die Rheinpfalz, Samstag, 07.06.2014

“Kohlrabi, öffne dich!”

Das Karlsruher Figurentheater marotte zeigt “Ali Baba und die vierzig Räuber”

Das ist ja aufregend: Da hat man im Iran, in der Nähe der Stadt Nazarabat, in einer Höhle einen riesigen Goldschatz gefunden. Den größten Schatz der Welt. Ganz begeistert lesen sich das die beiden Männer; Thomas und Rusen, gegenseitig aus der Zeitung vor, der eine auf Deutsch, der andere auf Türkisch, der eine aus der RHEINPFAILZ der andere aus einer Soundso Hüriyet: Thomas guckt pikiert, denn Türkisch versteht er nicht.
Aber dann staunt er, denn Rusen weiß noch mehr über diesen Schatz und erzählt es ihm: Der Schatz ist nämlich uralt, er hat einmal vierzig Räubern gehört, und dann hat ihn Ali Baba gefunden. Und das hat dann wirklich sein Leben verändert. Denn Ali Baba war arm, “so arm, dass er richtig arm war”. Seinen Lebensunterhalt verdiente er sich damit, dass er Holz sammelte, in der Wüste, sehr mühsam, denn viel Holz gab es da nicht. Aber dann beobachtete er, wie Räuber vor einem Felsen Halt machten und sich auf ein Zauberwort der Felsen öffnete: “Acil, susam, acil!“ Und als die Räuber abgezogen waren, öffnete auch er den Felsen und fand Gold, Juwelen, Perlen, Geschmeide. Er packte ein wenig ein und brachte es seiner Frau Fatima, aber die erzählte es sofort ihrer Schwägerin, die erzählte es Alis reichem Bruder Kazim, und der wollte sofort noch reicher werden, Aber als er vollbepackt wieder aus der Höhle rauskommen wollte, hatte er das Zauberwort vergessen: “Kohlrabi, öffne dich“? Nein. “Tomate, öffne dich”? Auch nicht.
In der Karlsruher marotte gab es jetzt die Premiere des neuen Kinderstücks “Ali Baba und die vierzig Räuber”, modernisiert und mit viel Witz und Phantasie nachgespielt. Dass neben dem “marotte”-Chef Thomas Hänsel auch Rusen Kartaloglu vom Karlsruher Tiyatro Diyalog mitspielt, ist ein Glücksfall. Denn Kartaloglu bringt ein wenig türkisch-erzählerisches Flair in das Spiel, das sich ganz aus der Alltagssituation entwickelt, dass zwei Männer nebeneinander sitzen und Zeitung lesen. Um Ali Baba zu charakterisieren, reißt Kartaloglu aus der Zeitung ein Männchen aus – und Hänsel kontert mit dem Ausriss eines Esels. Gemeinsam beginnen sie die Geschichte zu spielen, holen aus Papier gefaltete Berge auf den Tisch, basteln aus der Zeitung in Windeseile größere Figuren. die sie zusammenkleben: ein Kopftuch oben drauf und es ist Fatima. Immer ausgefeilter werden die Figuren. Das Bühnenbild bleibt einfach und schnell gemacht.
Eine Stunde dauert das fantasievolle Spiel (Regie: Friederike Krahl), in dem Hänsel und Kartaloglu in verschiedene Rollen springen und manchmal auch aus ihnen herausfallen, wenn Hänsel mit einem „Nu hin isch fertsch“ ins Sächsische gerät. In einem schönen. sich gegenseitig befruchtenden Spielrhythmus sind sie Ali Baba, Fatima, sein Bruder und dessen Frau, alle vierzig Räuber, der Räuberhauptmann und noch die Tür zur Schatzhöhle, und man merkt ihnen nicht nur den Spaß am Spielen, am improvisieren, am gegenseitig die Bälle zuwerfen und Geschichtenerzählen an, der Funke springt bei den jungen und auch älteren Zuschauern sofort über. Und während die jungen Spaß am bekannten Märchen haben, am lockeren, lustigen Spiel der beiden. haben die älteren auch eine Moral zu verarbeiten: dass zu viel Gold und Geld auch nicht glücklich machen. Und deswegen hat Ali Baba die Höhle auch nicht für sich ausgeräumt, sondern Geld in der Stadt verteilt, und den Hauptteil des Schatzes in der Höhle gelassen.
(pag)