Herzrasen - Das Liebesleben der Kuscheltiere


Badische Neueste Nachrichten, Montag, 23.November 2009

Lauter Seelenchaos

Und ewig lockt Pompinien

Auf nach Pompinien. Oder doch nicht? Ja, wenn man Tiger und Bär wäre. Dann. Dann wäre alles klar. Doch Pompinien ist nicht Panama. Sicher, es soll so eine Mischung aus Südsee und Schwarzwälder Kirschtorte sein, aber ob es dort wirklich schön ist, wissen die beiden, die da im Karlsruher Figurentheater marotte auf einer Bierbank sitzen, auch nicht so recht. Ein Teddy und ein Esel. Beide schon ein wenig abgerupft. Manchmal kuscheln sie sich eng an eng, dann wieder rücken sie ganz weit voneinander ab. Fast vergisst man, dass es sich um Plüschgeschöpfe handelt, so lebensecht wechselt Friederike Krahl mit ihrer Stimme zwischen Brummbass-Teddy und Piepsi-Eselin, aber vielleicht liegt das auch daran, dass da Situationen durchgespielt werden, die mancher womöglich aus eigener Erfahrung kennt, Denn das Programm, das Friederike Krahl präsentiert, heißt zwar ,,Herzrasen. Das Liebesleben der Kuscheltiere”. Aber irgendwie klingt es sehr menschlich.

Die Figurenspielerin trifft genau den richtigen Ton, um die Beckettartige Absurdität der Gespräche bekömmlich zu entspannen.

Die Liebe mit ihren Verwerfungen, Dummheiten, Zweifeln ist auch im zweiten Teil dieses wunderbar geistreichen, überaus sensibel gespielten Abends die überwältigende Kraft, die lauter Seelenchaos schafft. Und auch sonst nichts so lässt, wie man es gewohnt ist. Ein Wolf ist ein Wolf und ein Schaf, ein Schaf, und niemand würde auf die Idee kommen, dass die beiden für eine amouröse Verbindung geeignet seien. Nicht so in der marotte: Die Art wie Friederike Krahl die von Mechthild Nienhaber so putzmunter gestalteten Figuren zum Leben erweckt, lässt einen hoffen und bangen, dieser eitle, kreuzverliebte Macho—Wolf und das herzensgute, vor Zuneigung nachgerade dahinschmelzende Schaf möchten doch bitte in einem Happy End zusammenfinden. — Eine Produktion, die man gesehen haben muss. -bl.