Django - Die Rückkehr


BNN, 02.11.2013

Leise singt der Präriewind

“Django – Die Rückkehr” ist ein köstlich verfeinerter Western im Figurentheater “marotte”

Mit Melodien aus Westernklassikern wurde das Publikum eingestimmt auf die Premiere der aktuellen Abendproduktion des Figurentheaters “marotte”, denn die führte in den Wilden Westen, wo schon mancher Revolverheld sein Unwesen trieb und noch mehr Menschen ihr Leben durch eine Bleikugel aushauchten. “Django – Die Rückkehr” nennt sich das von der marotte verfeinerte Stück Carsten Dittrichs, das mit allem ausgestattet ist, was es für einen echten Western so braucht: Harte Kerle, schnelle Pferde, schöne Frauen, finstere Bösewichte, Indianer.

Sogar ein Gehenkter baumelt am knarzenden Galgen und ein Tumbleweed, im Stück “Kaktuskugel” genannt, wird vom leise singenden Präriewind durch eine staubige Straße getrieben – und das alles, um einen toten Helden anständig unter die Erde zu bringen. Denn Django weilt ja schon nicht mehr unter den Lebenden; was wir sehen, ist ein Spiel im Spiel, gegeben von den Schau- und Puppenspielern Thomas Hänsel, Carsten Dittrich und Claudia Olma. Das Trio entert die Bühne mit einem alten Indianer, einer lebensgroßen Knautschfigur, im Rollstuhl. Ein etwas schüchterner Lokomotivheizer (Hänsel) muss ihn schieben. Im Schlepptau noch ein versoffener Pfaffe und ein leichtes Mädchen aus dem örtlichen Cathouse. Der Indianer will, dass man seinem Freund Django die letzte Ehre erweist, und so wird aus seinem Sarg plötzlich die Bühne für die Hohe Schule der Marionettenführung. Mit viel Sprachwitz und geübten Fingern entfaltet sich die Geschichte von Django, der zu seinen Eltern zurückkommt, nachdem er unverdientermaßen im Gefängnis saß. Das Leben hat ihn zum Desperado werden lassen. Doch nun kehrt er zurück, um Rache zu nehmen an Gouverneur McBraddock.

Der hat, logisch, auch eine schöne Nichte, Alice aus dem Schwäbischen und mit Django mehr zu tun, als auf den ersten Blick sichtlich ist. Rasch wechseln die Figuren, die Puppenspieler haben alle Hände voll zu tun, ihren Figuren das pralle Leben einzuhauchen, doch es gelingt souverän. Sogar die Kugeln, die dem Helden beim Duell um die Ohren fliegen, entwickeln ein Eigenleben und verleihen der Sache eine gute Portion-Matrix-Feeling. Nun, wie es ausgeht wird natürlich nicht verraten. Man hat gewiss seine Freude daran, so wie das Publikum, das sich mit heftigem Applaus für einen Abend köstlicher Unterhaltung bedankte.
Jens Wehn