Romeo und Julia


Die Rheinpfalz, 06.10.2007

Lerche oder Nachtigall? Mensch oder Marionette?

Das Karlsruher Figurentheater „marotte“ mit seiner Version von William Shakespeares berühmter Tragödie „Romeo und Julia“

Hand aufs Herz: Kennen Sie die Handlung von Romeo und Julia, der Tragödie von Shakespeare, die um 1595 uraufgeführt wurde, wirklich? Zum Jubiläum seines zwanzigjährigen Bestehens hat das Figurentheater „marotte” das Stück in marotinaler Weise als Marionettenspiel auf die Bühne gebracht und bietet jedem die, Möglichkeit, sich in rund 90 Minuten mit ihm vertraut zu machen.

Nach der Trauerfeier für ihre Kinder treffen am Familienmausoleum der Capulets Graf Montague, der Vater von Romeo, dargestellt von Carsten Dittrich und Gräfin Capulet, die Mutter von Julia, gespielt von Friederike Krahl aufeinander. Tränenreich beweinen sie das Schicksal ihrer Kinder. Doch schaffen sie es, entgegen der Vorlage von Shakespeare, nicht sich zu versöhnen, sondern beschuldigen sich gegenseitig und geraten nach kurzer Zeit wieder so heftig in Streit, dass der alte Familienzwist wieder aufbricht. Dennoch lassen sie das Vergangene gemeinsam Revue passieren und die Gruft öffnet sich zur Puppenbühne. Dem mittelalterlichen Stoff entsprechen Puppen und Requisiten.

Erstaunlich ist die Wandlungsfähigkeit der kleinen Bühne. Nach der Einführung in die Handlung wird sie innerhalb weniger Augenblicke vom Park zum räumlich toll konzipierten Ballsaal der Familie Capulet, in dem sich Romeo und Julia zum ersten Mal begegnen. Nur wenige der charaktervoll gearbeiteten Puppen sind voll bewegliche Marionetten wie Benvolio einen Freund Romeos, die meisten haben nur Fäden an den Armen und werden an einem Stab geführt. Doch sind die Gesichtszüge verblüffend lebendig gestaltet. Geradezu menschlich erscheint Pater Lorenzo, der je nach Ansichtsseite, verschmitzt oder verunsichert wirkt.

Zum Leben erweckt werden sie durch Friederike Krahl und Carsten Dittrich. Beide geben, unter der Regie von Therese Thomaschke, der Tragödie facettenreich ihren Lauf. Neben frei gesprochenen und manchen improvisierten Textpassagen, werden zumeist Originalzitate vorgetragen. Wie bei den Marotten üblich, treten die Puppenspieler immer wieder in die Handlung ein, verbinden die Szenen auf der Bühne durch Zwischenspiele oder wirbeln anstelle der Puppen im Degenduell auf Leben und Tod umeinander.

Während die Zwischenspiele sehr frei mit der Textvorgabe umgehen, so in einem Gespräch über “Giftmischerei” zwischen Pater Lorenzo und Friederike Krahl, halten sich die mit den Marionetten dargestellten Schlüsselszenen der Tragödie an das Original. Ideenreich und sehr romantisch wandelt sich die Bühne zur Hochzeitsnacht von Romeo und Julia. Doch viel zu kurz währt dieses Glück, beendet durch ein Lerchenlied oder war es das der Nachtigall? Schade, dass das Ende der Tragödie bekannt ist und das Puppenspiel so traurig enden muss. Die beiden Puppenspieler holen den Zuschauer in die Realität zurück, wenn sie am Ende des Stückes, wie zu Beginn in heftigen Streit geraten.

Den “marotten” ist mit dieser Aufführung, die für alle Kulturbegeisterten ab 14 Jahren gedacht ist, ein echtes Jubiläumsstück geglückt, das durch sein Spiel und seine Ausstattung … besticht. (jua)



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