Ali Baba und die 40 Räuber


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Mittwoch, 09.11.2016

Mit Fantasie und Fingerfertigkeit

BENSNE|M. Keine Zauberei und keine Trickserei: Es braucht tatsächlich weder Glamour noch Glitzer. Es braucht weder Edelsteine noch prächtige Kostüme und viel Schnickschnack. Es braucht allein zwei Zeitungen und zwei wunderbare Figurenspieler und schon ist man mitten drin in der faszinierenden, bunt schillernden Märchenwelt von Ali Baba und Tausendundeiner Nacht.
Thomas Hänsel und Ruşen Kartaloğlu vom marotte-Figurentheater in Karlsruhe verzauberten die kleinen und großen Zuschauer auf der Parktheater-Bühne vor ausverkauftem Haus mit einem unglaublich Lust und noch mehr Fantasie und Fingerfertigkeit.
Sie entführten ein völlig hingerissenes Publikum mit ihrer temporeichen Geschichte über Gut und Böse, Arm und Reich und die weibliche Verführungskunst und Cleverness im Handumdrehen in die Welt des Orients. Die Freunde des Parktheaters hatten dazu am Sonntagmittag eingeladen und mit dem letzten Kinderstück in diesem Jahr erneut einen Meilenstein gesetzt: so funktioniert bestes Kindertheater.

Spiel auf zwei Ebenen
Dass das Stück von .Ali Baba und die 40 Räuber“ auf zwei Ebenen präsentiert wird und sich nach und nach ein Spiel im Spiel entwickelt, entspricht der Tradition der Erzählungen aus Tausendundeiner Nacht und lässt eine ganzen Menge Raum für Fantasie und Märchenzauber. Alles beginnt mit dem realen Dialog zweier Herren auf einer Parkbank über eine Meldung in einer türkischen und einer deutschen Tageszeitung: der größte Geldschatz der Welt wurde entdeckt. Und die beiden sind sich schnell einig, dass dies nur der Schatz von Ali Baba sein kann.
Und schon kann das Spiel auf Ebene zwei beginnen. Dass Hänsel und Kartaloğlu für ihre Geschichte geheimnisvollen Berg Sesam, von Ali Baba und seinem geschwätzigen Eheweib Fatima, vom gierigen Bruder Kasim und dessen ewig tratschende Frau Güley weder Puppen tanzen lassen noch an Marionetten-strippen ziehen, sondern nur mit einfachem Zeitungspapier und Klebeband hantieren, fasziniert allein beim Entstehungsprozess und ist eine Kunst für sich.
Aus einfachsten Mitteln mit zerrissenen Zeitungsseiten schaffen sie eine eigene Welt mit unterschiedlichsten Figuren, einem Esel, mit aus Papier geknüllten Felsen und sprechenden Zauberhoren. Zuschauer und Zuhörer kommen gleichermaßen auf ihre Kosten. Denn nicht nur die “Hauptdarsteller”, inklusive der vierzig Räuber, die die eigene List ins Verderben führt, sondern auch die frisch-frechen Dialoge und Anspielungen von Thomas Hansel und Ruşen Kartaloğlu lassen die Besucher ins Schwärmen geraten.
Als Ali Baba per Zufall die Räuber beim Zauberspruch belauscht, hat das ungeahnte Konsequenzen. Bei “Sesam öffne dich” reagiert der Zauberberg und gibt sein gut gehütetes Geheimnis preis: Edelsteine und Gold in Hülle und Fülle. Als Alis Bruder Kasim versucht, das Räuberversteck zu plündern, wird er entdeckt und “zerfetzt” (was sich mit einfachem Papier herrlich darstellen lässt!.
Die nach Rache dürstenden, in Ölfässern versteckten Räuber allerdings haben nicht mit der weiblichen Raffinesse von Fatima und Güley gerechnet und sind am Ende die Gelackmeierten.