Presseartikel
Happy McBeth!
Badische Neueste Nachrichten, 13.10.2009
Mord und Intrigen auf der Puppenbühne
Figurentheater marotte nimmt sich eines Shakespeare-Stoffes an und führt als Musical auf
me. Was hat Shakespeare mit Fast Food zu tun? Eigentlich gar nichts. Es sei denn, zwei Autoren nehmen sich des Dramas ,,Macbeth“ an, modeln den historischen Stoff um, siedeln die Handlung in den 1970er Jahren an und lassen das Ganze nicht am schottischen Königs- hof spielen, sondern in einem Burger-Laden: So geschehen am Karlsruher Figurentheater ,,marotte”. Herausgekommen ist ,,Happy McBeth“, ein Musical für Erwachsene, das — wie sollte es in der marotte anders sein — zum größten Teil von Puppen gespielt wird.
,,Wir haben zwei Jahre an dieser Adaption des Shakespeare-Stoffes gearbeitet”, erklärt Carsten Dittrich, der das Stück zusammen mit Timo Riegelsberger geschrieben hat. Und genau wie der große englische Dramatiker stellen auch Dittrich und Riegelsberger in ihrem Stück die entscheidende Frage: ,,Kann man seinem Schicksal entrinnen?”
Mit dieser Problematik werden Restaurant-Chef Mr. King, sein bester Mitarbeiter Beth, dessen Freund Banquo, Beths Ehefrau Evelyn und Banquos Freundin Duffy konfrontiert. Und natürlich dürfen auch die Schicksalsmächte, die drei Hexen, nicht fehlen im Spiel um Macht, Intrigen und Mord. Die Proben laufen seit Anfang September auf Hochtouren: ,,Es dauert immer vier bis sechs Wochen, bis so ein Stück steht”, meint Jan Mixsa. ,,Los geht’s mit szenischen Proben, bei denen wir erarbeiten, welche Szene wie angelegt wird”, so der Regisseur. Sagt’s und bittet seine Akteure auf die Bühne: Während fetzige Musik vom Band läuft, trägt Dittrich — er ist nicht nur Autor, sondern auch Puppenspieler — den ersten Song des Beth vor.
,,Ich schalte die Fritteuse an und stell mich an den Grill”, singt er mit kräftiger Stimme. ,,Das war supi”, kommt das Lob von Mixsa. Gleich darauf hat Tanja Lüttner als Banquo ihren Auftritt und Claudia Olma verleiht Mr. King ihre Stimme. ,,Ich verdiene meinen Zaster mit der Menschheit größtem Last, mit Fast Food”, singt sie. ,,Das Spiel mit den Puppen ist für die drei Akteure eine große Herausforderung“, erklärt der Regisseur. Der Spieler soll hinter der Figur, die im Vordergrund steht, zurücktreten. Aber dennoch handelt es sich um eine offene Spielweise, das heißt, der Puppenspieler ist auf der Bühne zu sehen. Das erfordert Kondition, Konzentration und Körperbeherrschung. Deutlich wird das nicht zuletzt an den Regieanweisungen: ,,Man sieht zu viel Profil“, ,,Claudia stell Dich hinter Tanja, damit die Symmetrie stimmt“ oder ,,Tanja mehr bewegen, die Geste muss größer werden“.
Entstanden sind die Puppen alle in der Dresdner Werkstatt des Figuren- und Bühnenbildners Matthias Hänsel. ,,Ich habe die Köpfe aus Schaumstoff geschnitzt und in sechs Schichten mit Farbe betupft, damit sie glatt werden.“ Dabei erhielt jede Figur ihren ganz persönlichen Charakter: Mr. King drückt eine aggressive Unzufriedenheit aus, Banquo hat ein 08/15-Gesicht, Beth ist optisch ein Gewinnertyp, Evelyn wirkt hart und herb und Duffy einfach nur unscheinbar. ,,Bei der Kleidung haben wir uns an Katalogen aus den 70er Jahren orientiert”, sagt Hänsel und schneidet noch einige Requisiten zurecht: Schaumstoff-Hamburger für den Burger-Laden.
Die Premiere des Stücks findet im Fabriktheater, Kaiserallee 11, am Donnerstag um 20 Uhr statt, sie ist ausverkauft. Weitere Vorstellungen in diesem Monat gibt es am 16. und am 31. Oktober. Kartenreservierungen sind unter Telefon 84 15 55 möglich.
