Die Olchis


Rhein-Neckar-Zeitung, 04.02.2012

Ordnung ist eben nur das halbe Leben

Figurentheater “marotte” begeisterte mit den “Olchis” viele junge Zuschauer im Rathaussaal

Mosbach. (lah) Sie sind grün, lieben Müll und essen am liebsten alte Latschen. Mit ihren drei Hörhörnchen können sie sogar Mäusepupser wahrnehmen. Ihre dicke Knubbelnase erschnuppert am liebsten Gestank und Muffelei. Mit Seife und Blütenduft kann man sie allerdings schnell vertreiben. Die Rede ist von den “Olchis”, den heiter-anarchischen Müllbewohnern, die Erhard Dietls beliebte Kinderbuchserie bevölkern. Am Montagnachmittag erlebten 110 kleine und große Kinder die Olchis in Aktion. Die Stadtbibliothek Mosbach hatte das “marotte” Figurentheater aus Karlsruhe in den ausverkauften Rathaussaal eingeladen.

“Olchis sind nützlich. Sie fressen Müll und stehen unter Umweltschutz”, erläutert Olchiforscherin Dr. Brausewein-Semmel (Friederike Krahl) zu Beginn des turbulenten Bilderbogens. Die Bühne besteht aus einer XXXL-Mülltonne, aus der bald eine grüne Schleimspur kriecht. Fast wie im richtigen Leben streiten die beiden Olchi-Kinder sich wahlweise um einen alten Turnschuh oder Schimmelpudding – und beschimpfen einander als Grützbeutelkröte. Weniger dürften sich Nicht-Olchi-Mamas über ein Kosewort wie “Schimmelschnittchen” freuen. Dieses flötet aber Olchi-Papa seiner besseren Hälfte mit Engelsgeduld zu. Obwohl er eigentlich nur in aller Ruhe die Sperrmüll-Zeitung lesen will, statt immer neue Hutkreationen auf dem Kopf seiner Frau zu bewundern.

Sonnenschein und Vogelgezwitscher. Bei so viel Heiterkeit bekommt die Olchi-Oma erst mal ganz schlechte Laune. Und beschließt spontan, Geburtstag zu feiern. Mit Hilfe eines klapprigen, aber um so lautstärkeren Grammophons gelingt ihr das prächtig. Opa-Olchi bastelt derweil wohlgemut an einem Teufelfurzmuffler. Wozu ihm der Enkelsohn einen 18er reichen soll. Ob Schaumlöffel oder Schraubenschlüssel, ganz egal, Hauptsache es knattert und klappert am Ende infernalisch.

Fehlt nur noch Fauldrache Feuerstuhl. Wenn er nicht 25 Stunden am Tag verschläft, ist er auf der Suche nach der leckersten Matschecke. Beim Sonntagsausflug darf Olchi-Baby nicht fehlen. Mit Kindersitz geht es per Drachenrakete gen Schmuddelingen. Doch schon naht das Unheil in Form von Jakob aus den Bergen. Der blaue Olchi tickt ziemlich anders als seine grünen Artgenossen, was vielleicht an seiner unüberhörbar Schweizerischen Heimat liegt. Bevor Jakob von der “Schoggi“ trinkt, räumt er im Handumdrehen die Mülltonne “auf”. Bis alles wieder in schönster Unordnung ist, haben die Olchis viel zu tun.

Einfallsreich und mit Liebe zum schrottigen Detail – wie der Lichterkette aus zerknüllten Plastikflaschen – gefällt die Inszenierung von Friedrich Krahl. Zu Beginn sind die Olchis zwar noch ständig auf der Überholspur, doch bald entwickeln die Einzelszenen einen ausgewogenen Rhythmus. Krötig-allerliebst sind die Latexfiguren von Vera
Kniss. Wie die Muffelpupsmaschine Qualm auf Knopfdruck produziert, dürfen die Zuschauer nach dem Stück selber ausprobieren. Auch einen Blick hinter die Mülltonnenbühne werfen. “Ordnung ist das halbe Leben, Unordnung die andere Hälfte”, weiß Puppenspielerin Friederike Krahl und wird schon fast philosophisch.