Presseartikel
Happy McBeth!
Die Rheinpfalz, Samstag, 24.10.2009
Prophetische Burger
„Happy McBeth!“ in der Karlsruher „marotte“
Shakespeare modern – und als Musical, das ist neue Produktion des Karlsruher Figurentheaters ,“marotte”. “Happy McBeth!” spielt aber nicht lm mittelalterlichen Schottland sondern in der Welt der Burger und des Fast Food der Jetztzeit. Und es ist trotz Mord und Totschlag ein köstlicher Theaterspaß.
Carsten Dittrich und Timo Riegelsberger sind für den Text zuständig, Timo Riegelsberger hat die Musik komponiert. Die Grundlinien des schaurigen Shakespeare sind erhalten geblieben. Mcßeth, hier ein biederer Burger-Bräter, wird von seiner Lady zum Mord an seinem Chef aufgestachelt. Und nachdem der dahin ist, kommt Banco, der Freund dran. Schließlich soll der nicht laut der Wahrsagung der Hexen, sprich der sprechenden Burger, Ahnherr von Königen werden. Doch vergebens, denn Bancos Gattin ist guter Hoffnung. Sie rächt die schändlichen Mordtaten.
Witzig an dieser furiosen Produktion ist aber nicht allein die Verlegung der Tragödie in die Alltagswelt von heute, sondern sind noch mehr die originellen Lösungen für die komische Umsetzung der literarischen Vorlage. Und ist die Persiflage auf die Gattung Musical. Musik und Text sind so herrlich klischeehaft und kitschig, dass es eine Wonne ist, sich an hohlen Gesten, schrägen Gedanken und falschen Gefühlen zu erfreuen. Besonders pfiffig ist das große “Abschiedschanson” Bancos vor seiner Ermordung. Das ist ein tolles Pendant zur pathetischen Arie an dieser Stelle aus Verdis “Macbeth”-Oper.
In der Regie von Jan Mixsa und der musicalgemäßen und besonders aufwendigen Ausstattung von Matthias Hänsel, die selbst eine Showtreppe bereithält, agieren Claudia Olma, Tanja Lüttner und Carsten Dittrich beim Führen der lebensgroßen und wieder effektvoll grotesken Figuren mit ungehemmter Spiellust. Wie immer bei den „marotten” wird das Spiel als Spiel selbst zum Thema. Das schafft im vorliegenden Fall eine doppelte ironische Brechung: zum alten “Macbeth” und modernen “McBeth”. (rg)
