Piggeldy und Frederick


BNN, 23.03.2018

Staatsschauspieler schätzt kleine Schweinchen

Sebastian Kreutz bereitet am Figurentheater marotte sein erstes Solostück “Piggeldy und Frederick” vor

Puppenspiel – leichtes Spiel? Von wegen. Das Agieren mit Figuren kann auch einen gestandenen Staatsschauspieler ins Schwitzen bringen. “So kurz vor der Premiere spüre ich vor allem die Herausforderung”, sagt Sebastian Kreutz. Der Theatermann, der von 1997 bis 2011 zum Ensemble des Badischen Staatstheaters gehörte und seitdem in diversen freien Engagements in der Region zu erleben war – etwa als “Diener zweier Herren” bei den Schlossfestspielen Ettlingen oder in “Les Miserables” bei den Volksschauspielen Ötigheim – bereitet gerade unter der Regie von Eva Kaufmann sein erstes Solostück am Figurentheater marotte vor “Piggeldy und Frederick” für Zuschauer ab vier Jahren hat am kommenden Samstag Premiere.

Warum macht ein 45-minütiges Stück für ein Kinderpublikum einen so erfahrenen Bühnenmenschen nervös? “Hier spiele ich ja nicht nur selbst mit meinem Körper, sondern ich muss für alle Figuren mitdenken”, sagt Kreutz und betont: “Die echten Puppentheaterspieler studieren ja vier Jahre lang für diesen Beruf, und das hat auch seinen Grund.” Die ungewohnten Anforderungen beschränken sich dabei nicht aufs Spiel, auch die Technik muss der Akteur während der Aufführung selbst bedienen. “Im Schauspiel hast du normalerweise einen Techniker, der jeden einzelnen Einsatz von Licht und Ton danach richtet, was du auf der Bühne machst. Hier steuere ich die Einsätze selbst, und wenn ich eine Toneinspielung starte, dann muss ich beim Spiel ganz präzise im Timing bleiben – sonst brummt mir ein Traktorengeräusch in eine leise Szene hinein”, beschreibt Kreutz einen Aspekt, der für ihn Neuland bei dieser Produktion ist. Es ist nicht der Einzige: Weil die Produktionen der marotte viel touren, hat der überzeugte Fahrradfahrer Kreutz nun mit Anfang 50 doch noch den Führerschein gemacht: “Ein Fan davon werde ich nie werden, aber anders wäre dieses Stück nicht machbar.”

Und am Herzen liegt ihm die Produktion durchaus: Nach seinem Abschied aus dem Staatstheater ließ sich Kreutz zunächst zum Klinikclown fortbilden (als der er nach wie vor aktiv ist) und griff gerne zu, als sich über den Kontakt zu marotte-Leiter Thomas Hänsel 2014 die Gelegenheit ergab, mit “Die drei Räuber” auch mal Theater für Kinder zu machen. “Das wollte ich am Staatstheater immer und durfte nie”, resümiert er.

Jetzt darf er es erneut – mit den Geschichten um das Schweinchen Piggeldy, das seinem großen Bruder Frederick Löcher in den Bauch fragt. Wer in den 70er Jahren aufgewachsen ist, hat vielleicht noch den Tonfall der “Sandmännchen”-Episoden im Ohr, von denen sich die Aufführung aber emanzipiert. “Wir halten uns schon an die Texte, haben aus den Kapiteln aber ein Stück entwickelt”, erklärt Regisseurin Kaufmann. Was dabei herausgekommen ist, ist ab Samstag zu sehen.

Andreas Jüttner