Pit Pinguin


BNN, Freitag 09.10.2015

Theaterspaß am Südpol

„Pit Pinguin” feierte Premiere im marotte-Figurentheater

Erwachsen werden ist gar nicht so einfach. Das merkt der kleine Pinguin namens Pit, Hauptfigur im neuen Stück des marotte-Figurentheaters, schnell. Kaum ist er flaumig aus dem Ei geschlüpft, soll er gehen lernen und vor allem: Schwimmen! Davor hat Pit gewaltig Angst. Aber zum Glück lernt er auf dem Spielplatz bei der Eisrutsche die mutige Pat kennen, die ihm mit einem kleinen Schubs hilft, sich seiner großen Angst zu stellen.

Für staunende Kinderaugen sorgte die Premiere “Pit Pinguin” im Figurentheater marotte am Mühlburger Tor. Das zarte und gleichzeitig unterhaltsame Stück übers Erwachsenwerden unter der Regie von Thomas Hänsel wurde mit Friederike Krahl großartig besetzt: Die Puppenspielerin blickt auf über 20 Jahre Bühnenerfahrung zurück, lehrte bereits als Gastdozentin an Hochschulen in Berlin, Stuttgart und Zürich. In diesem Jahr erhielt sie den ersten Preis der Kinderkulturbörse in München. In dem Einpersonenstück “Pit Pinguin” erweckt sie die Pinguinfamilie mit großem Einfühlungsvermögen und Ausdrucksstärke zum Leben. Wenn Krahl die Augenbrauen bis unter die Haarspitzen hochzieht oder verschmitzt lächelt, bleiben auch die ganz jungen Gäste im gut gefüllten Saal voll bei der Sache — trotz einer Stücklänge von gut 45 Minuten. Abwechslungsreich ist, trotz minimalistischer Mittel, auch das Bühnenbild: In Eisfarben gehalten und mit schimmerndem Stoff behängt verwandelt sich die kleine Bühne durch einen Kippmechanismus in Sekundenschnelle in unterschiedliche Orte.

Ein guter Schuss Situationskomik sorgt für viele Lacher während der Ausführung, beispielsweise wenn Pit bei seinen Kunststücken auf der Eisrutsche auf die Nase fällt oder P gleichzeitig mit Pat durch ein Eisloch schauen möchte, das für beide zu [klein ist. Auch der gelungene norddeutsche Akzent, in dem Krahl Pits Eltern Nora und Nils sprechen lässt, sorgt für vergnügte Gesichter: “Ja wann isses denn nu so weit?”, fragt der Pinguinvater zu Beginn immer wieder Partnerin Nora — ganz gespannt auf den kleinen Sohn, der aus dem frisch gelegten Ei schlüpfen wird.

Als dieser schließlich mit seinen Freunden von der großen Reise durch den Ozean zurückkehrt, bei dem sie mit Seelöwen, Fischern und Stürmen zu kämpfen hatten, beginnt die Geschichte von neuem: Pinguinfreundin Pat legt ein Ei ins Nest. “Und das Leben geht weiter”, beschließt Krahl lächelnd das Stück. Eine berührende und vergnügliche Theatererfahrung, sicher nicht nur für die ganz jungen Gäste.

Britta Baier