Presseartikel
Herzrasen - Das Liebesleben der Kuscheltiere
Die Rheinpfalz, Dienstag, 01.12.2009
„Und da ist ein Schaf. Es ist saftig! Aber es ist so nett.“
“Herzrasen – Das Liebesleben der Kuscheltiere” als neues Abendprogramm für Enzvachsene im Karlsruher Figurentheater “marotte”
Leibhaftige Plüschtiere spielen die Hauptrollen auf der Bühne des “marotte”-Figurentheaters in Karlsruhe, wenn es in dem Stück “Herzrasen – Das Liebesleben der Kuscheltiere” um kleine Dramen mit großem Thema geht. Also um tierisch gute und menschlich abgrundtief gefährliche Beziehungen zwischen Mann und Frau, Wolf und Schaf, Teddybär und Eselin.
Auch wenn der alte Wolf längst grau ist, sein Appetit ist ungebrochen und seine wachen Augen funkeln in lüsterner Vorfreude beim Anblick des jungen, naiven, wollweißen Schäfchens, Vertrackt ist nur, dass das dumme Ding so zutraulich ist und sich in den alten Charmebolzen glatt verliebt. Wo der doch höchst böse Absichten hegt. Eigentlich. Denn so viel anschmiegsame Wärme haben das Wolfshirn verwirrt: “Ich habe Hunger! Und da ist ein Schaf. Es ist saftig! Aber es ist so nett.” Dank des professionellen Agierens der Puppenspielerin Friederike Krahl nehmen die Kuscheltiere unter ihren Händen geradewegs menschliche Züge an, Gesichter und Körperhaltung von Wolf, Schaf, Teddy, Esel verändert sich und passen sich denen des Menschen an.
Der Zuschauer kann sich plötzlich des Gefühls nicht erwehren, dass es vielleicht doch nicht Friederike Krahl ist, die den Figuren ihre Stimme in unterschiedlichsten Tonarten verleiht, sondern dass sie ihnen auf magische Weise Leben eingehaucht hat. “Man könnte gerade meinen, die wären menschlich”, flüsterte eine ältere Zuschauerin ehrfürchtig.
Die einfühlsame musikalische Begleitung beim “Liebesleben der Kuscheltiere” übernimmt Michael Rüber auf der Gitarre. Wohlgemerkt: dies ist kein Stück für Kinder. Man muss erwachsen sein, um all die versteckten Anspielungen, beherzten Boshaftigkeiten und atemlosen Gefühlscocktails zu verstehen, denen sich die Kuscheltiere hemmungslos hingeben. Wer bis jetzt noch nicht wusste, dass sich ein Plüschteddy und eine graue Eselin, beide nicht mehr die jüngsten, in herzlicher Liebe zugetan sein können, ohne das zugeben zu wollen, der sollte sich die Vorstellung unbedingt ansehen. Um zu sehen, wie das ist, wenn zwei Kuscheltiere miteinander Tango tanzen. Und wie sich das anfühlen muss, wenn die Beine gehen, aber der Kopf und das Herz hier bleiben.
Der Bär und der Esel wissen jetzt, welches Herzeleid das Abschiednehmen hervorrufen kann. Und der grimmige alte Wolf? Der weiß gar nicht mehr, wie ihm geschieht. “Schau nur, der Schnee glitzert wie 1000 Diamanten”, schmachtet das Kuschelschaf und guckt doof-verliebt. Da wirft der Wolf ergeben den Kopf in den Nacken, heult den gelben Vollmond an – “uuuuuuuuuuuuuh” – und tanzt mit der saftigen Kleinen Stehblues auf dem zugefrorenen Teich.
Herzrasen in der “marotte”. Absolut empfehlenswert. Nur für Große.
VON ELKE PARTOVI
