Das kleine Gespenst


BNN, Samstag, 17.09.2016

Wie eine durchgeknallte Qualle

“Das kleine Gespenst” nach Otfried Preußler feiert Premiere in der marotte

Man soll ja bekanntlich vorsichtig sein was man sich wünscht — es könnte in Erfüllung gehen! Das muss auch das kleine Gespenst erfahren, als sein größter Traum, einmal das Tageslicht zu sehen, plötzlich wahr wird. Nicht nur ist es plötzlich pechschwarz, statt wie bisher blütenweiß. Auch das Spuken macht irgendwann gar nicht mehr so viel Spaß, wenn man total übermüdet ist. Noch dazu kommt es bei seinem Ausflug in die Sonne zu blöden Verwechslungen und der kleine Geist sprengt eine fröhliche Feier, weil er denkt, die bösen Eroberer von vor 400 Jahren kommen zurück in seine Stadt.

Carsten Dittrich spielt liebevoll das an sich freundliche kleine Geistchen — wohl die einzige Kreatur, die im Vorwärtsschweben übermütige Hüpfer vollführen kann, sodass der große Kopf mit dem dünnen Umhang aussieht wie eine durchgeknallte Qualle im Meer.

Die Kinder ab vier Jahren lachen von Minute eins an, es ist aber auch eine verrückte Geschichte. Das kleine Gespenst hat nur Schabernack im Kopf, lässt die Rüstungen im Rittersaal Hampelmann tanzen, neckt die wehrlosen Porträts in der Ahnengalerie und nervt draußen im Wald den alten Uhu mit dem immer gleichen Thema, wie er am besten wach die Zeit nach Sonnenaufgang erleben kann.

Mit trockenem Witz gibt Puppenspieler Dittrich den abgeklärten Waldbewohner auf seinem Stammbaum, oder die hysterische Marktfrau, die kurzerhand ihren ganzen Stand mitschleift, als sich Schnüre verheddern und sie aber dringend im Gullyschacht nach dem frechen Störenfried sehen muss.

Der trottelige Polizist ist zur Freude der Kids keine große Hilfe, als das kleine Gespenst ein Straßenschild als Mikrofonständer missbraucht und mit Filzstift die Plakate zum Stadtjubiläum verhunzt. Man erlebt Slapstick, schnelle Szenen, ein herrliches Bühnenbild von Vera Kniss, die eine ganze Stadt samt Kanalisation auf den Abmessungen einer Bierbank mit herunterhängenden, variablen Leinwänden unterbringt.

Apropos Leinwand, die Schlossszenerie wird mittels aufklappbarer Gemälde dargestellt, die angestrahlt in den schicksten Farben leuchten. Das kleine Gespenst tritt mal als Schattenfigur, mal als Marionette oder als Handpuppe in Erscheinung und man fühlt nach all seinen frechen Aktionen förmlich mit, wenn es einfach nur noch todmüde in seine Schlafkiste fallen will. Glücklicherweise hat es am Ende der Geschichte zwei kleine Freunde gefunden, die dem spukenden schwarz-weißen Schelm dabei helfen…
Nina Setzler