Der kleine Ritter Trenk


BNN, 12.07.2017

Zwei Gaukler erzählen vom tapferen Knappen

Kirsten Boies Erfolgsgeschichte “Der kleine Ritter Trenk” ist nun am Figurentheater marotte zu sehen

Erst mal ein Tänzchen wie auf einem Mittelaltermarkt, mit Musik von Trommel und Flöte. Damit macht man nicht nur das Publikum auf sich aufmerksam, es lockert auch die Glieder von Claudia Olma und Carsten Dittrich. Denn die beiden Puppenspieler am Figurentheater marotte werden gleich alle Hände voll zu tun haben, den von ihnen geführten Figuren Leben einzuhauchen.

Regisseurin Friederike Krahl hat ihre Bühnenfassung von Kirsten Boies Kinderbuch “Der kleine Ritter Trenk” als Spiel im Spiel konzipiert. Claudia Olma und Carsten Dittrich schlüpfen in die Rollen von Gauklern, die die Geschichte des Trenk von Tausendschlag aufführen. Der ist zwar tapfer und schlau, aber eben ein Leibeigener des Ritters Wertolt, genannt der Wüterich. Schon Trenks Vater Haug Tausendschlag war Leibeigener und den Übergriffen seines Grundherrn ausgesetzt – daher der Name “Tausendschlag”, wegen der vielen Schläge, die der Vater ohne Gegenwehr einstecken musste. Doch der kleine Trenk begehrt auf. Gemäß dem Rechtsbrauch “Stadtluft macht frei” zieht er aus in die Stadt, sein Glück zu versuchen. Mit dabei ist sein liebstes Haustier, das Schwein Ferkelchen.

Gespannt und gebannt verfolgten die Kinder den Weg von Trenk und seinem Schwein. Olma und Dittrich führen die Geschichte mit Tischfiguren auf. Das sind Puppen, die nicht an Fäden hängen oder über die Hand gezogen, sondern von außen geführt werden. Die Arbeit des Figurenspielers ist also immer zu erkennen, ja, kann sogar Teil der Inszenierung sein. Es ist die Kunst des Spielers, diesen Figuren, deren Bewegungsrepertoire gegenüber traditionellen Marionetten oder Handpuppen eingeschränkt ist, dennoch eine Persönlichkeit zu geben – eine Kunst, die Claudia Olma und Carsten Dittrich beherrschen. Trenks Tapferkeit, die Gutmütigkeit des dicken Ritters Hans von Hohenlob, bei dem Trenk in die Lehre als Knappe geht, nachdem er die Identität mit dessen eher etwa zimperlichen Neffen getauscht hat, die zunächst abwehrende Haltung von Hohenlobs Tochter Thekla, die dem Trenk doch noch eine Freundin wird – Olma und Dittrich gelingt es, all diese Gefühle durch ihre Figuren auszudrücken. Wenn Trenk und Thekla gemeinsam durch einen dunklen Wald ziehen, um einen Drachen zu töten, der plötzlich übermannsgroß durch das Dickicht bricht, dann kann das sogar richtig unheimlich werden — wozu übrigens auch das exzellente Bühnenbild von Mattias Hänsel beiträgt.

Glücklicherweise entpuppt sich der Drache als liebe Drachenmama, die Trenk und Thekla gerne die ausgefallenen Milchzähne ihrer Drachenkinder überlässt. Die Drachenzähne benötigt Trenk, um die Ritterwürde zu erwerben. Erzählt wurde die Geschichte schon in Buch, Film und Fernsehen – es lohnt sich aber, sie auch in der marotte anzusehen. Das Stück ist für Kinder ab fünf Jahren geeignet.
Jens Wehn