marottinale 2019


BNN 13.03.2019

Die Spieler treten in Erscheinung*

Zum Programm der diesjährigen „marottinale“

Mit dem Stück „Georges Méliès letzter Trick“ gastiert am Freitag, 22. März, ab 20 Uhr das Theater Drak aus Hradec Králové in Karlsruhe – und zwar gewissermaßen in der großen Spielstätte des Festivals, nämlich im Kulturzentrum Tollhaus.

Dorthin hat sich die „marottinale“ vor einigen Jahren erweitert, als man erstmals eine fulminante Puppeninszenierung von Mozarts Singspiel „Die Zauberflöte“ in die Fächerstadt einlud. Die präsentierte damals der Nürnberger Tristan Vogt, ein Star der Szene, der auch in diesem Jahr mit an Bord ist: Die marotte konnte ihn für die Festivaleröffnung gewinnen. Als Gastspiel seiner Bühne „Thalias Kompagnons“ zeigt Vogt am Donnerstag, 21. März, ab 20 Uhr „Die Elchjagd“. Die aberwitzige Komödie des polnischen Autors Michael Walczak über Beziehungen, Eheleben, bürgerliche Ideale und die Geister der Vergangenheit ist als „Albtraum-Spektakel“ angekündigt und wurde in den „Nürnberger Nachrichten“ gelobt als „Figuren-Thriller mit Tiefenpsychologie“.

Vom Alptraum zu den Traumwelten: Am Freitag, 22. März, zaubert das tschechische Theater Drak in seiner Hommage an George Méliès den überbordenden Bilderreichtum dieses trickversessenen Stummfilmpioniers auf die Bühne. Unsterblich geworden ist Méliès durch sein bis heute bekanntes Fantasy-Werk „Die Reise zum Mond“, das neben drei weiteren Kurzfilmen dieses Visionärs bereits am kommenden Sonntag in Karlsruhe im Rahmen des Stummfilmfestivals zu sehen sein wird (17. März, 15 Uhr, Stephanssaal). Ein Markenzeichen seiner Filme ist der virtuose Einsatz illusionistischer Tricks, deren Zauber sich nun auch in dem Bühnenstück entfalten soll. Übrigens kommt die für Besucher ab zwölf Jahren geeignete Aufführung – wie es sich für eine Stummfilm-Hommage geziemt – ohne Sprache aus und lässt somit keine Verständnisschwierigkeiten erwarten. Gastgeber Thomas Hänsel betont: „Das ist eine in jeder Hinsicht große Produktion: Allein schon technisch wird eine Bühne von zehn mal zehn Metern benötigt, und insgesamt gibt es zehn Mitwirkende. Das sind Dimensionen, die man bei deutschen Figurentheatern kaum findet.“

Stummfilm-Hommage gastiert im Tollhaus
Umso mehr freut er sich, dieses Stück bei einem vergleichsweise kleinen Festival präsentieren zu können: „Die ,marottinale‘ ist natürlich nicht vergleichbar mit den großen Veranstaltungen der Szene, etwa dem Figurentheaterfestival in Erlangen und Nürnberg“, erklärt Hänsel. Doch die „marottinale“ habe durchaus ihren Ruf in der Szene und es kämen auch andere Veranstalter, um hier Produktionen zu sichten.

Am wichtigsten ist ihm freilich der Zuspruch des hiesigen Publikums, an dessen kurzfristige Freizeitplanung er sich mittlerweile gewöhnt hat: „Die Karlsruher lassen sich viel Zeit beim Vorverkauf, aber letztlich kommen sie dann doch.“ Und nicht so bekannte Titel müsse man eben gut platzieren. Zum Beispiel „Die Elchjagd“: „Wenn das zur Eröffnung läuft, dann darf man zurecht etwas Besonderes erwarten.“ In diesem Fall agiert der international renommierte Figurentheaterkünstler Vogt ausschließlich mit Puppenköpfen und schlüpft selbst jeweils in die gerade aktive Rolle.

Noch präsenter auf der Bühne dürfte bei der diesjährigen „marottinale“ allenfalls das Dresdner Duo Schreiber & Post mit seinem Stück „Die Reise ins Schlaraffenland“ (23. März, 15 Uhr, ab vier Jahren) sein: „Das sind quasi Pantomimen, die mit Objekten agieren“, beschreibt Hänsel die fantasievolle Arbeit von Andrea Post und Tim Schreiber. „Auch Theater ohne Puppen kann Puppentheater sein.“

Andreas Jüttner