Koalabär und Freunde


BNN, Montag, 7.10.2019

Kleiner Bär braucht Mut

Der kleine Koala sitzt am liebsten in seinem Eukalyptusbaum: „Das kann er gut. Etwas Neues zu wagen, da fehlt ihm der Mut“, wie Puppenspielerin Claudia Olma zu Beginn des Stücks in einer Mischung aus Singen und Erzählen reimt. Der kleine graue Bär übt sich in Passivität, denn er schläft sehr gerne, außerdem traut er sich ohnehin nicht vom Baum, weil er befürchtet, dort unten zwischen Wombat, Kängurus und Schnabeltier der Kleinste zu sein. Doch „die da unten“ sind aber neugierig auf den kleinen Kerl in der Baumkrone und überlegen, wie sie ihn wohl hinunter bekommen.
Bei der Premiere im Figurentheater marotte zeichnet die Spielerin Claudia Olma — mit australischem Akzent und in rostbraunem Bandana (Kopftuch) passend zum Ayers-Rock-Bühnenbild ausgestattet -eine Schar charakterstarker Urwaldbewohner: das aufgeregt schnatternde Schnabeltier, den behäbig-gutmütigen« Wombat, die beiden frechen Kängurus und den vorsichtigen Koala.
Die Kinder ab drei Jahre folgen gebannt, lachen viel und rufen manchmal mitfiebernd dazwischen.
Die Kernfrage der Tiere unten lautet: Wie locken sie den Koala vom Baum? Er wäre doch sicher ein toller Freund! Also singen sie gemeinsam einen Koalabären-Song und erzeugen kollektives Gekicher, als sie einen lebenden Turm aus Wombat und Kängurus bauen, der bald ins Wanken gerät und umfällt, anstatt den Koala in seiner Baumkrone zu erreichen. Dieser wiederum kann seine Befürchtungen vor der Welt unten einfach nicht überwinden. Selbst nachts, wenn die anderen schlafen, traut er sich nicht hinunter in ihre Welt und schafft sich dadurch auf seinem Ast lieber ein Fantasie-Reich.
Aus diesem Konflikt entstehen in der Regie von Friederike Krahl in knackigen 40 Minuten Spielzeit lustige, anrührende und auch sehr atmosphärische Szenen, die von ausgeklügelter Beleuchtung und „Busch“-Sounds mit Gitarren, Didgeridoo und Trommeln verdichtet werden. Dabei ist es der Schabernack, der als kunstvoller Begriff eingeführt wird und im Lauf des Stücks viele Türen öffnet, bis er am Ende sogar die Grenzen zwischen den beiden Welten überwinden hilft. Denn auf Streiche und Späße können sich alle der hier auftretenden Tiere einigen. Auch wenn sie bisweilen übersprudelnd ausfallen und zunächst auf Kosten anderer gehen, wie beim rabiaten Eingreifen des blaugefiederten Kookaburra, so haben sie am Ende doch etwas Befreiendes.
Nina Setzler