Winnetou – Der Schatz im Silbersee


BNN 15.10.2019

Wildwest-Abenteuer mit viel Witz

Figurentheater marotte zeigt „Der Schatz im Silbersee“ als Schattenspiel

Es ist still geworden um Karl May. Abgesehen von einigen Festspielen wie Bad Segeberg oder Elspe ist der einst meistgelesene Abenteuerschriftsteller deutscher Sprache kaum mehr präsent. Seine Bücher fristen – so sie überhaupt vorrätig sind – in den Buchhandlungen, wo sie vor wenigen Jahrzehnten noch ganze Regalreihen füllten, ein Nischendasein.

Immer noch im allgemeinen Bewusstsein verankert ist allerdings seine populärste Schöpfung: „Winnetou, der rote Gentleman“. Dieses fiktive Idealbild eines edlen Indianers übertrifft in seiner Bekanntheit weiterhin historische Häuptlinge wie Cochise oder Sitting Bull. Somit war es nicht überraschend, dass das Figurentheater Marotte seiner Bearbeitung des Romans „Der Schatz im Silbersee“ im Titel die Marke „Winnetou“voranstellte.

Davon abgesehen hielt man sich erstaunlich nah an die episodisch aufgebaute Buchvorlage, weitaus näher als etwa der Film von 1962. Stringent und spannend führt die Handlung ) vom Arkansas-Dampfer „Dogfish“, wo der schurkische Cornel Brinkley die Karte zu einem sagenhaften Schatz an sich bringt, über den Überfall auf Butlers Farm und eine Auseinandersetzung mit den Utahs bis zum Finale am Silbersee, wo nicht nur der Cornel sondern auch der Schatz von den Fluten verschlungen wird. Seitens der Helden tritt hier von Anfang an Old Shatterhand auf statt des weniger bekannten Old Firehand – eine dramaturgisch nachvollziehbare Änderdung. Zudem wird das Wildwest-Abenteuer hier eingebettet in eine Rahmenhandlung, in der ein Migrationsbeamter (marotte-Leiter Thomas Hänsel) mit einem einbürgerungswilligen Türken (Rusen Kartaloglu) die Handlung nachstellt.

Carsten Dittrich setzte das Geschehen mit viel Witz und Situationskomik als Schattenspiel in Szene und hatte das Publikum spätestens mit dem kollektiven Aufseufzen beim Erklingen der unvergänglichen Winnetou-Melodie aus der Feder Martin Böttchers im Griff. Mit jeder Wendung schien das Publikum mehr gefesselt, zumal die beiden Darsteller/Puppenspieler Thomas Hänsel und Rusen Kartaloglu gekonnt von einer Rolle zur anderen sprangen und auch einmal einen Zweikampf aus dem Film „Der Schatz im Silbersee“ nachstellten. Überhaupt durfte der Karl-May-Kenner manche Anspielung wiedererkennen, doch auch jeder May-Novize müsste seinen Spaß an dieser gelungenen Umsetzung haben.
Manfred Kraft